10 Tipps für die Altersvorsorge bei niedrigem Einkommen

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Private Altersvorsorge

Wo von soll ich später mal leben? Diese Frage stellen sich heute viele junge Menschen. Zu Recht, denn ein sinkendes Rentenniveau, niedrige Löhne und vor allem kaum Zinsen auf das Ersparte machen die Altersvorsorge zu einer kaum leistbaren Herausforderung. 10 Tipps, wie Sie dennoch das Beste aus Ihrem Ersparten für später herausholen.

Bestandsaufnahme machen

Ehe man sich Gedanken über eine Geldanlage macht, ist zunächst eine Bestandsaufnahme der eigenen Finanzen sinnvoll. Diese sollte mit dem Aufstellen einer Haushaltsrechnung beginnen. Hier werden sämtliche monatliche Einnahmen sowie alle Fix- und Lebenshaltungskosten gegenübergestellt. Wichtig: eine Reserve für unvorhergesehene Ausgaben sollte ebenfalls eingeplant werden. Erst dann wissen Sie, wie viel Geld Ihnen für den Aufbau einer privaten Altersvorsorge tatsächlich zur Verfügung steht.

Welche Verträge gibt es bereits?

Gleichzeitig sollten auch die eventuell bereits bestehende Vorsorgeverträge genauer unter die Lupe genommen werden. Dies sollte man am besten einen Fachmann überlassen. Wer mindestens fünf Jahre lang in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hat, erwirbt einen Anspruch auf Zahlung einer staatlichen Altersrente. Die gesetzliche Rentenversicherung stellt Ihnen einmal jährlich sowie auf Anfrage eine Renteninformation zur Verfügung. Dieser können Sie entnehmen, wie hoch ihre Rente voraussichtlich ausfallen wird. Einen Schnellüberblick geben Rentenrechner im Internet wie z.B. hier. Hinzu kommen Einnahmen aus bereits abgeschlossenen privaten Verträgen wie z.B. die Riester-Rente. Nun wissen Sie, wie hoch Ihre Versorgungslücke im Alter ist, und wie viel eigene Vorsorge Sie noch betreiben müssen oder möchten.

Erst Risiken absichern

Mit einer privaten Vorsorge soll der gewohnte Lebensstandard im Alter oder bei Krankheit abgesichert werden. Wer für die Zukunft sparen möchte, sollte zunächst die gegenwärtigen Risiken absichern. Folgende Versicherungen sind empfehlenswert:

  • Die private Haftpflichtversicherung schützt Sie vor den finanziellen Folgen eines Missgeschicks, wenn einem Anderen hierdurch ein finanzieller Schaden entsteht.
  • Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn ein Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann.
  • Mit einer Risikolebensversicherung wird in erster Linie die Familie abgesichert, wenn dem Versicherungsnehmer etwas zustösst. Die Familie erhält beispielsweise im Todesfall die komplette Versicherungssumme in einem Betrag oder in Form einer Rente ausgezahlt.

Möglichst früh mit dem Sparen beginnen

Als wichtige Grundregel gilt: Früh in die eigene Altersvorsorge zu investieren lohnt sich. Denn junge Arbeitnehmer benötigen nur einen geringen monatlichen Betrag, um sich ein stattliches Polster für den Ruhestand anzusparen. Das gilt auch in Niedrigzinsphasen. So müsste ein derzeit 20-Jähriger bei einem Zinssatz von 2 Prozent monatlich lediglich rund 80 Euro ansparen, um mit 65 Jahren einen Kapitalstock in Höhe von 70.000 Euro zur Verfügung zu haben, siehe zinsen-berechnen.de. Ein 50-Jähriger müsste hingegen monatlich 400 Euro zur Seite legen, um dasselbe Ergebnis zu erhalten. Ein Fehler den viele Arbeitnehmer machen: Sie vergessen die Inflation. Weil diese nämlich den Wert des Geldes im Lauf mehrerer Jahrzehnte deutlich schmälern kann, reicht es nicht aus, wenn sich die Rente auf dem Niveau des aktuellen Haushaltseinkommens bewegt. Wer beispielsweise aktuell 1.000 Euro zur Verfügung hat, besitzt mit diesem Betrag in 30 Jahren bei einer angenommenen Inflationsrate von 2,0 Prozent nur noch eine Kaufkraft von ca. 480 Euro, siehe zinsen-berechnen.de.

Vermögenswirksame Leistungen in Anspruch nehmen

Vermögenswirksame Leistungen sind eine Sparform, bei der eine monatliche Zahlung vom Arbeitgeber mit einer staatlichen Förderung kombiniert wird. Sie eignen sich deshalb gerade für junge Arbeitnehmer, die aufgrund ihrer Einkommenssituation nur wenig oder gar kein eigenes Kapital ansparen können. Um in den Genuss der VL zu kommen, muss sie der Arbeitnehmer beim Arbeitgeber zunächst beantragen. Nicht alle Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern dieses Extra. Andere Firmenchefs zahlen ihren Arbeitnehmern zumindest einen Teilbetrag. Den Rest kann der Arbeitnehmer bis zum erlaubten Höchstbetrag von 40 Euro selbst aufstocken. Bei allen VL-Verträgen gilt eine Sperrfrist von sieben Jahren. Danach kann der Arbeitnehmer das angesparte Kapital in Anspruch nehmen. Es besteht jedoch keine Verpflichtung zur Vertragsauflösung nach 7 Jahren. Die Geldanlage lässt sich entweder anschließend einfach weiter besparen, oder erneut für VL und somit auch langfristig für die Altersvorsorge nutzen. Vermögenswirksame Leistungen gibt es für die folgenden Sparformen:

  • Sparplan für Aktienfonds oder Beteiligungen
  • Banksparplan
  • Bausparvertrag
  • Tilgung von Baudarlehen

Höchstbeträge und staatliche Förderungen bei VL

Bei einem Bausparvertrag können bis zu 470 Euro pro Jahr angespart werden. Für diesen Betrag gibt es einen staatlichen Zuschuss in Höhe von neun Prozent, maximal jedoch 43 Euro pro Jahr. Arbeitnehmer, die lieber in Aktienfonds investieren möchten, können bis zu 400 Euro pro Jahr über die VL ansparen. Sie erhalten eine staatliche Förderung von 20 Prozent – maximal bis zu 80 Euro pro Jahr. Wer sich für einen Bausparvertrag entscheidet, hat unter Umständen zudem Anspruch auf die Wohnungsbauprämie in Höhe von 8,8 Prozent der Sparsumme. Alleinstehende erhalten vom Staat allerdings maximal 45 Euro pro Jahr, Ehepartner das Doppelte. Für die staatliche Förderung gelten jedoch Einkommensgrenzen, siehe unser Ratgeber zu Vermögenswirksame Leistungen. Jedoch lohnen sich VL auch ohne die Förderung, so lange sie zumindest teilweise vom Arbeitgeber gezahlt werden.

Unnötige Kredite vermeiden

Der Kredit für die eigenen vier Wände sollte die einzige Finanzierung im Leben sein. Das ist oft einfach gesagt, und gilt natürlich im Optimalfall. Vermieden werden sollten jedoch Kredite die nicht unbedingt benötigt werden, wie z.B. für ein zu großes Auto oder sonstige Konsumwünsche. Denn jede zusätzliche Zahlungsverpflichtung schmälert den Betrag, der am Monatsende für die Altersvorsorge übrig bleibt.

Betriebliche Altersvorsorge

Grundsätzlich gibt es in Deutschland einen Anspruch auf eine sogenannte Betriebsrente. Um das Kapital für die betriebliche Altersvorsorge anzusparen, werden allmonatlich bis zu vier Prozent des Bruttogehaltes, maximal 2.856 Euro pro Jahr angelegt. Sobald der Arbeitnehmer in den Ruhestand geht, erhält er das angesparte Geld entweder mit einer einmaligen Zahlung oder als monatliche Rate analog einer Rentenzahlung. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren von diesem Modell. Denn für diesen Teil des Gehaltes muss der Arbeitnehmer keine Steuern und Sozialabgaben abführen. Für den Firmenchef entfallen für den entsprechenden Betrag die Lohnnebenkosten. Aus diesem Grund steuern viele Arbeitgeber einen zusätzlichen Bonus zum Sparanteil bei. Dieser Bonus bewegt sich meist in einem Rahmen von rund 20 Prozent, was in etwa den Einsparungen bei den Lohnnebenkosten entspricht.

Betriebsrente lohnt sich nicht für Jeden

Einen Haken hat dieses ansonsten attraktive Modell allerdings: Zwar sind die Sparraten steuerfrei, jedoch werden Steuern und Abgaben bei der Auszahlung fällig. Vor allem für Geringverdiener kann die betriebliche Altersvorsorge daher zu einem Minusgeschäft werden. Für sie lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge nur, sofern der Arbeitgeber einen Großteil des Sparbetrags beisteuert. Besserverdiener profitieren dagegen in zweierlei Hinsicht: Während der Ansparphase gelten für die Sozialabgaben Bemessungsgrenzen. Das heißt: Die Abgaben für Kranken- sowie Rentenversicherung werden nur bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe prozentual berechnet. Weil gerade diese Gruppe häufig privat krankenversichert ist, entfallen während der Auszahlungsphase die Abgaben für die gesetzliche Krankenversicherung.

Staatliche Förderungen nutzen

Auch der Staat trägt sein Scherflein zur privaten Altersvorsorge bei. Arbeitnehmer, welche hierfür die staatliche Förderung in Anspruch nehmen wollen, haben mehrere Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Seit 2002 gibt es die Riester-Rente. Sie wurde in erster Linie für Arbeitnehmer konzipiert. Selbständige können sie ebenfalls nutzen, sofern der Ehepartner die Riester-Förderung in Anspruch nehmen kann. Neben staatlichen Zuschüssen gibt es auch Steuervergünstigen in Form abzugsfähiger Sonderausgaben, siehe unser Ratgeber zur Riester-Rente.
  • Die Rürup-Rente ist in erster Linie für Selbständige gedacht. Sie kann jedoch auch von Arbeitnehmern beansprucht werden. Der steuerliche Vorteil besteht darin, dass die monatlichen Beiträge seit 2015 komplett von der Steuer abgesetzt werden können. Dabei belaufen sich die Freibeträge auf 20.000 Euro für Alleinstehende und 40.000 Euro für Verheiratete.
  • Vermögenswirksame Leistungen: Mehr Infos siehe oben

Die eigene Immobilie

Im Alter mietfrei wohnen entlastet Senioren finanziell um einen ordentlichen Betrag. So lässt es sich später auch mit einer niedrigeren Rente leben. Wer ein Haus kauft, sollte jedoch einige Punkte beachten: Vermeiden Sie Standorte, wo die Preise aufgrund von Immobilienblasen derzeit besonders hoch sind. Versuchen Sie eher günstige Immobilien zu finden, bei denen jedoch ein Wertzuwachs absehbar ist. Der Immobilienkauf lohnt sich in Phasen niedriger Zinsen besonders. Vorausgesetzt, die Finanzierung steht auf soliden Beinen. So sollten Käufer mindestens 15 Prozent Eigenkapital aufbringen. Die Kreditrate sollten Sie auch dann noch zahlen können, wenn die Zinsen wieder steigen.

Etwas Risiko eingehen kann sich lohnen

Eine Lebensversicherung oder eine private Rentenversicherung waren früher das Hauptstandbein der privaten Altersvorsorge. Diese reichen als alleinige Maßnahme nach heutiger Betrachtung jedoch nicht mehr aus. Denn der heutige Garantiezins in Höhe von 1,25 Prozent deckt nicht mal mehr die Inflationsrate ab. Unter Umständen kann es sich daher lohnen, zumindest einen Teil des Geldes etwas riskanter, nämlich in Fonds zu investieren. Anleger können davon durchaus profitieren, wenn sie ein paar Punkte beachten. Fonds erweisen sich zur Altersvorsorge umso rentabler, je jünger der Anleger ist. Denn über einen langen Zeitraum von beispielsweise 40 Jahren können Kursschwankungen besser ausgeglichen werden, und entwickeln sich meist zum Positiven. Wer z.B. mit 25 Jahren anfängt monatlich 50 Euro in einen Fondsparplan einzuzahlen, kann so bis zur Rente ein stattliches Vermögen erwirtschaften. Für die Einzahlung in einen Fondsparplan eignen sich wiederum Vermögenswirksame Leistungen, da der Sparer hierfür kein eigenes Geld benötigt. Läuft die Wertentwicklung eher schlecht, kann das Geld in einen anderen Fond umgeschichtet werden. Obwohl sich zwischenzeitlich drei Börsencrashs ereignet haben, ließ sich seit 1965 mit Fonds in einem Zeitraum von zehn Jahren eine durchschnittliche Rendite in Höhe von ca. 8 Prozent pro Jahr erwirtschaften. Diese Rechnung gilt bis heute unverändert.

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Nicht alles auf eine Karte setzen

Zwar gibt es nach wie vor viele Finanzprodukte zur Altersvorsorge, die auf den ersten Blick unglaublich attraktiv scheinen. Doch gerade bei derartigen Angeboten sollten Verbraucher Vorsicht walten lassen. So lautet unser Tipp: Stecken Sie keinesfalls ihr Geld in eine einzige Anlageform. Denn absolute Sicherheit für den sehr langen Zeitraum bis zur Rente gibt es nicht. Mit anderen Worten: in 40 oder 50 Jahren kann viel passieren. Das gilt sowohl für Börsen, Zinsen als auch Immobilien. So kann theoretisch ein Anbieter Insolvenz anmelden, oder gar ein Staat pleite gehen. Oder der gewählte Immobilienstandort erweist sich als doch nicht so attraktiv, wodurch die Immobilie an Wert verliert. Die Streuung der Geldanlage sollte sich in erster Linie nach den persönlichen finanziellen Verhältnissen, aber auch nach der beruflichen Situation richten.

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