Freitag, 03 September 2010

Steuern

Steuern sparen
Fachinformationen für Verbraucher zum Thema Steuern und Steuern sparen.

Die neue Erbschaftssteuer

Steuern sparen

Anfang Dezember 2008 hat der Bundesrat der Reform der Erbschaftssteuer zugestimmt. Die neue Erbschaftssteuer bringt Vorteile für nahe Verwandte und Lebenspartner, aber eher nachteilige Änderungen für Erben entfernteren Grades. Zudem gibt es einige Änderungen, sowohl bei den Versorgungsfreibeträgen, als auch bei den Erbschaftssteuersätzen.

Erbschaftssteuerreform: Die Änderungen

Weiter entfernte Verwandte und sonstige Erben werden seit der Erbschaftssteuerreform wesentlich stärker belastet. Identische Steuersätze gibt es hingegen für nahe Angehörige.


Erbschaftssteuersätze - Alte Regelung
Geldbetrag Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
bis 52.000 7% 12% 17%
bis 256.000 11% 17% 23%
bis 512.000 15% 22% 29%
bis 5.113.000 19% 27% 35%
bis 12.783.000 23% 32% 41%
bis 25.565.000 27% 37% 47%
über 25.565.000 30% 40% 50%


Erbschaftssteuersätze - Neue Regelung
Geldbetrag Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
bis 75.000 7% 30% 30%
bis 300.000 11% 30% 30%
bis 600.000 15% 30% 30%
bis 6.000.000 19% 30% 30%
bis 13.000.000 23% 50% 50%
bis 26.000.000 27% 50% 50%
über 26.000.000 30% 50% 50%


Freibeträge
Verwandtschaftsverhältnis Steuerklasse Alter Freibetrag Neuer Freibetrag
Ehegatte I 307.000 500.000
Kinder, Stiefkinder I 205.000 400.000
Enkelkinder, Stiefenkel, Urenkel I 51.200 100.000
Eltern und Großeltern bei Erwerb von Todes wegen I 51.200 100.000
Eltern und Großeltern bei Zuwend. unter Lebenden II 10.300 20.000
Geschwister II 10.300 10.300
Nichten, Neffen II 10.300 10.300
Schwiegerkinder, Schwiegereltern II 10.300 10.300
Geschiedene Ehepartner II 10.300 10.300
alle sonstigen Erben III 5.200 5.200
Eingetragene Lebenspartnerschaften III 0 500.000

Versorgungsfreibetrag für eingetragene Lebenspartnerschaften

Erstmalig wurde ein Versorgungsfreibetrag für eingetragene Lebenspartnerschaften eingeführt. Dieser beträgt 256.000 Euro.

Keine Erbschaftssteuer mehr bei selbst genutztem Wohneigentum

Witwen, Witwer und Kinder des Erblassers müssen keine Erbschaftsteuer auf eine vererbte Immobilie zahlen, wenn sie diese mindestens 10 Jahre lang selbst nutzen. Das gilt auch für eingetragene Lebenspartner. Eine Obergrenze beim Immobilienwert gibt es dabei nicht. Für Kinder bleibt die Immobilie allerdings nur dann steuerfrei, wenn die Wohnfläche nicht größer als 200 Quadratmeter ist. Dagegen wird Erbschaftsteuer für alle Erben fällig, wenn es innerhalb von 10 Jahren zu einer Vermietung, einem Verkauf oder zu einer Nutzung des ererbten Wohneigentums als Zweitwohnsitz kommt.

Steuervergünstigungen beim Übergang von Betriebsvermögen

Familienbetriebe können steuerfrei vererbt werden, wenn sie zehn Jahre lang unter Erhalt der Arbeitsplätze fortgeführt werden. Erben von Unternehmen, die den Betrieb nur sieben Jahre lang fortführen, müssen 15 Prozent Erbschaftssteuern auf des Betriebsvermögens zahlen. Dabei gibt es zwei Optionen, zwischen denen sich Firmenerben entscheiden können. Diese Wahl ist bindend und kann anschließend nicht mehr geändert werden.

Option 1: Firmenerben, die den ererbten Betrieb im Kern sieben Jahre fortführen, werden von der Besteuerung von 85% des übertragenen Betriebsvermögens verschont. Voraussetzung: Die Lohnsumme beträgt nach sieben Jahren nicht weniger als insgesamt 650% der Lohnsumme im Jahr der Erbschaft. Daneben darf der Anteil des Verwaltungsvermögens am betrieblichen Gesamtvermögen höchstens 50% betragen.

Option 2: Firmenerben, die den ererbten Betrieb im Kern zehn Jahre fortführen, werden komplett von der Erbschaftsteuer befreit. Voraussetzung: Die Lohnsumme beträgt nach 10 Jahren nicht weniger als insgesamt 1000 % der Lohnsumme im Jahr der Erbschaft. Daneben darf der Anteil des Verwaltungsvermögens am betrieblichen Gesamtvermögen maximal 10% betragen.

Bewertung des vererbten Vermögens zu Verkehrswerten

Dieser Teil der Erbschaftssteuerreform steht unter massiver Kritik. Die Höhe der Steuer richtet sich nach dem Verkehrswert (Marktwert) der übertragenen Immobilie. Dieser wird vom Finanzamt nach einem pauschalen Berechnungsverfahren ermittelt. Aufgrund der pauschalen Regelungen kommt es jedoch sehr häufig vor, dass spezielle wertmindernde Faktoren nicht berücksichtigt werden. Der vom Finanzamt ermittelte Verkehrswert ist daher häufig zu hoch, sodass der Betroffene eine zu hohe Steuer zahlen muss.


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