Kleines 1×1 zur Nichtveranlagungsbescheinigung

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Kleines 1x1 zur Nichtveranlagungsbescheinigung

Wer wenig verdient, zahlt auch wenig Steuern. So ist es normalerweise. Doch dies gilt nicht für Einkünfte aus Geldanlagen. Zinserträge, Aktiengewinne und Dividenden fallen unter die Abgeltungssteuer. Das gilt unabhängig vom übrigen Einkommen. Geringverdiener mit hohen Kapitaleinkünften können sich jedoch unter bestimmten Umständen von der Steuerlast befreien.

Definition: Was ist eine NV-Bescheinigung?

Mit der Nichtveranlagungsbescheinigung – kurz NV-Bescheinigung – bestätigt das Finanzamt dem Steuerzahler, dass dieser in einem festgelegten Zeitraum keine Steuern entrichten muss. Wird die Bescheinigung bei einem Kreditinstitut vorgelegt, befreit diese die Bank von der Verpflichtung, Abgeltungssteuer an das zuständige Finanzamt abzuführen.

Wann bekommt man sie (Voraussetzungen)?

Für die Ausstellung einer Nichtveranlagungsbescheinigung müssen zwei Grundbedingungen erfüllt sein.

  • Zum Einen muss das innerhalb des Veranlagungszeitraums – meist 1 Jahr – erzielte Einkommen aus Kapitalerträgen höher sein als der jeweils aktuell gültige Sparerfreibetrag
  • Zum Anderen darf das Gesamteinkommen den Grundfreibetrag nicht übersteigen.

Jedem Sparer steht ein jährlicher Freibetrag in Höhe von 801 Euro zu. Verheiratete können gemeinsam einen Sparerfreibetrag in Höhe von 1602 Euro pro Jahr geltend machen. Der Grundfreibetrag beträgt im Jahr 2017 8.820 Euro für Alleinstehende und 17.640 Euro für Verheiratete. Liegen die Erträge aus Kapitalvermögen unter der durch den Sparerfreibetrag definierten Grenze, ist keine Nichtveranlagungsbescheinigung notwendig. In diesem Fall ist ein einfacher Freistellungsauftrag ausreichend, um die Besteuerung zu vermeiden.

Rechenbeispiel

Wird etwa durch einen Nebenjob nach Berücksichtigung aller Abzugsmöglichkeiten ein jährliches Einkommen in Höhe von 8.000 Euro erzielt, bliebe dieses steuerfrei, da der derzeitige Grundfreibetrag bei 8.820 Euro liegt. Kommen zu diesen Einnahmen jedoch Kapitalerträge in Höhe von 1.500 Euro, steigt das Gesamteinkommen auf insgesamt 9.500 Euro. Hier würde eine Steuerpflicht entstehen. Durch die Berücksichtigung des Sparerfreibetrages in Höhe von derzeit 801 Euro sinkt das anrechenbare Einkommen allerdings wieder auf 8.699 Euro, und somit unter die Bemessungsgrenze. Das Gesamteinkommen bleibt also auch weiterhin steuerfrei.

Wer kann einen Antrag stellen?

Der Antrag auf Ausstellung einer Nichtveranlagungsbescheinigung kann sowohl von Verbrauchern als auch von Firmen gestellt werden. Voraussetzung: der Antragsteller muss Einkünfte aus mehr als einer der sieben im deutschen Steuerrecht bekannten Einkommensarten erzielen. Auch Rentner und gemeinnützige Vereine haben das Recht, ein entsprechendes Dokument zu beantragen. Rentner sollten darauf achten, dass in vielen Fällen nur ein Teil der Rente der Steuerpflicht unterliegt. Im Antrag muss deshalb nicht der volle Rentenbetrag, sondern nur der steuerrelevante Teil erfasst werden. Die Beratung durch einen Steuerberater ist hier zu empfehlen. Vereine erhalten die Bescheinigung nur dann, wenn zuvor die Gemeinnützigkeit festgestellt worden ist. In allen Fällen darf jedoch das Gesamteinkommen die aktuelle Steuerfreigrenze von 9.621 Euro (8.820 € Grundfreibetrag plus 801 € Sparerfreibetrag) nicht überschreiten. Für gemeinsam veranlagte Ehepaare beträgt die Freigrenze 19.242 Euro. In der Regel wird die Nichtveranlagungsbescheinigung von Studenten, Rentnern oder minderjährigen Kindern, die bereits über ein eigenes Einkommen verfügen, beantragt. Empfänger von Transferleistungen, wie z.B. ALG II, können unter Umständen ebenfalls zu den Antragstellern gehören.

Nichtveranlagungsbescheinigung Formular

Das Formular für die Nichtveranlagungsbescheinigung ist beim zuständigen Finanzamt erhältlich. Sie können es auch online unter folgendem Link herunterladen. Im Anschluss muss es ausgefüllt, unterschrieben, und der Finanzbehörde ausgehändigt werden.

Welche Einnahmen werden berücksichtigt?

Bei der deutschen Einkommensteuer gibt es sieben Einkunftsarten. Es wird unterschieden zwischen Gewinneinkünften und Überschusseinkünften. Zu den Gewinneinkünften zählen nicht nur die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit und aus einem Gewerbebetrieb, sondern auch solche, die mit einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb erzielt werden. Unter Überschusseinkünften werden alle Einkünfte verstanden, die mit nichtselbstständiger Arbeit sowie durch Einkünfte aus Vermietungen und Verpachtungen erzielt werden. Darüber hinaus gehören zu dieser Gruppe die Einkünfte aus Kapitalvermögen und alle sonstigen Einkünfte, die keiner der zuvor genannten Kategorien eindeutig zugeordnet werden können. Bei der Entscheidung über die Ausstellung einer Nichtveranlagungsbescheinigung wird die Gesamtsumme aus allen Einkommensarten unter Berücksichtigung der jeweiligen Freigrenzen zu Grunde gelegt.

Wie lange ist eine NV-Bescheinigung gültig?

Grundsätzlich behält eine einmal ausgestellte Nichtveranlagungsbescheinigung ihre Gültigkeit für einen Zeitraum von drei Jahren. Danach muss sie erneut beantragt, und vom Finanzamt ausgestellt werden. Ändern sich die persönlichen Verhältnisse, etwa durch die Beendigung eines Studiums und die anschließende Aufnahme einer Erwerbstätigkeit mit einem die Freigrenze überschreitenden Einkommen, ist die Bescheinigung vorzeitig zurückzugeben. Auch wenn dem Finanzamt Erkenntnisse darüber vorliegen, dass sich die Einkommensverhältnisse eines zuvor begünstigten Steuerbürgers zum Positiven geändert haben, wird es die Rückgabe der Nichtveranlagungsbescheinigung verlangen. Da alle Banken und Ämter verpflichtet sind, dem Finanzamt Änderungen der Einkommensverhältnisse mitzuteilen, ist die Hoffnung, dass die Steuerbehörden von einem erhöhten Einkommen nichts erfahren eher unbegründet. Die Bescheinigung erhält ihre Gültigkeit an dem Tag, an dem sie dem betreffenden Institut vorgelegt wird. Hat die Bank zu diesem Zeitpunkt bereits Steuern einbehalten, wird sie diese in der Regel ihrem Kunden für das betroffene Steuerjahr aus Gründen der Kulanz zurückerstatten. Eine gesetzliche Verpflichtung dazu besteht jedoch nicht.

Wo ist sie vorzulegen?

Die Nichtveranlagungsbescheinigung kann / sollte überall da vorgelegt werden, wo Kapitalerträge erzielt werden. Neben Banken und Sparkassen können dies auch Versicherungen und andere Anlagegesellschaften sein.

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