Entgeltumwandlung als betriebliche Altersvorsorge – ist das sinnvoll?

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Sparen für die Rente ist immer eine gute Idee – vor allem wenn es staatliche Förderungen gibt. Eine Möglichkeit hierfür ist die betriebliche Altersvorsorge in Form der Entgeltumwandlung. Doch diese ist nicht für jeden sinnvoll. Wie die Sache funktioniert, welche Vor- und Nachteile es gibt, und was Sie als Arbeitnehmer beachten sollten.

Entgeltumwandlung – was ist das?

Bei der Entgeltumwandlung – häufig auch als Gehaltsumwandlung bezeichnet – zahlt ein Arbeitnehmer einen Teil seines Bruttogehalts in eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) ein. Der Arbeitgeber behält den Teil des Lohns direkt ein, und überweist das Geld in einen Sparvertrag. Welche Anlageform genutzt wird – häufig ist es eine Renten- oder Lebensversicherung – entscheidet der Betrieb. Das Ganze wird staatlich gefördert: Der Teil des Gehalts, welcher der Arbeitnehmer für die Entgeltumwandlung nutzt, ist von Steuern und Sozialabgaben befreit. Der Arbeitnehmer hat einen gesetzlichen Anspruch auf die Entgeltumwandlung.

So funktioniert´s (Ablauf)

Der Arbeitgeber erwirbt eine Rentenpolice. Dies geschieht über eine Pensionskasse, einen Pensionsfond oder eine Direktversicherung (mehr Infos hier) Laut Gesetzgeber ist der Betrieb Vertragspartner des Versicherungsunternehmens. Versichert ist allerdings nur der Mitarbeiter, dem von Anfang an und für immer diese Police gehört. Das gilt auch für den Fall einer Insolvenz der Firma oder bei einem Wechsel des Arbeitgebers. In diesem Fall nimmt der Beschäftigte die Police in die neue Firma mit, der neue Arbeitgeber übernimmt i.d. Regel den bestehenden Vertrag.

  • 1. Bietet Ihnen Ihr Arbeitgeber die betriebliche Altersvorsorge nicht von sich aus an, fragen Sie dort gezielt nach. Seit 2002 sind Firmen dazu verpflichtet, die Entgeltumwandlung durchzuführen.
  • 2. Fragen Sie Ihren Chef auch nach einem Zuschuss. Dieser ist jedoch aktuell noch freiwillig (Änderung erfolgt in 2019).
  • 3. Der Betrieb entscheidet, welche Art von Vertrag abgeschlossen wird.
  • 4. Der Arbeitgeber zieht die Beiträge für die Gehaltsumwandlung dem Mitarbeiter vom Bruttolohn ab, und erledigt die Überweisung an die Versicherung.

Ab 2019 sind Arbeitgeber zur Bezuschussung verpflichtet

Ab 2019 muss der Arbeitgeber 15 Prozent des Ansparbetrags mit einem Zuschuss erweitern. Für die Firma entstehen dadurch keine Extrakosten, denn sie spart im Zuge der Entgeltumwandlung ebenfalls – und zwar die Hälfte ihres Arbeitgeberanteils bei der Steuer- und Abgabenlast für den Rentenbetrag. Dieses Zuschussmodell gilt ab 2022 auch für Altverträge, die vor 2019 abgeschlossen wurden.

Beispiel mit Berechnung

Wie sieht die Rechnung nun am Schluss des Arbeitslebens aus? Ein fiktives Beispiel könnte folgendermaßen aussehen:

Ein 37-jähriger Angestellter mit einem voraussichtlichen Renteneintritt mit 67 Jahren spart 30 Jahre monatlich 200 Euro an. Bei einer konservativ geschätzten Rendite von drei Prozent ergibt das bei Renteneintritt eine Betriebsrente in Höhe von monatlich 300 Euro. Diese muss, da die Beiträge während der Ansparphase ja steuerfrei waren, versteuert werden. Die tatsächliche Steuerbelastung lässt sich erst errechnen, wenn man die gesetzliche Altersrente noch hinzuaddiert. Nehmen wir an, dass unser Angestellter als Durchschnittsverdiener während seines Arbeitslebens 3.000 Euro brutto verdient. Daraus ergibt sich eine spätere Rente in Höhe von ca. 1.200 Euro. Nach heutigen Sätzen würde die Steuer auf den Gesamtbetrag in Höhe von 1.500 Euro monatlich 170 Euro betragen. Davon abzuziehen ist noch der halbe Beitragssatz für die Krankenkasse und die gesetzliche Pflegeversicherung. Dem Rentner blieben schlussendlich monatlich ca. 1.165 Euro als Rentenzahlung aus gesetzlicher und betrieblicher Quelle übrig.

Höhe (Höchstbetrag)

Die Entgeltumwandlung kann nicht in beliebiger Höhe ablaufen, sondern ist begrenzt. Die Beiträge sind bis maximal acht Prozent der für die gesetzliche Rentenversicherung gültigen Beitragsbemessungsgrundlage (West) steuerfrei. Auch bei der Sozialversicherungsfreiheit gibt es Grenzen – und zwar bis maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrundlage (West).

Für das Jahr 2018 ergibt das folgende maximale Höhe: Bis zu 3.120 Euro sind von der Steuer und der Sozialversicherung befreit. Weitere 3.120 Euro sind zwar steuerfrei, allerdings nicht sozialversicherungsfrei. Diese bundesweite Obergrenze gilt für Entgeltumwandlungsbeiträge aus dem ersten Dienstverhältnis. Im Betriebsrentengesetz ist ein Mindestbeitrag festgelegt, der für die Gehaltsumwandlung aufgewendet werden muss. Dieser jährliche Minimalbetrag liegt 2018 bei 228,38 Euro im Jahr. Das ergibt einen monatlichen Betrag von 19,03 Euro.

Vorteile der Entgeltumwandlung

Die Gehaltsumwandlung bietet steuerliche Vorteile: Jener Teil des Bruttogehalts, der in die betriebliche Versicherung eingezahlt wird, wird nicht für die Berechnung der Sozialabgaben herangezogen. Abgaben und Steuern fallen nur für das verbleibende Einkommen an. So zahlt zum Beispiel ein Angestellter mit einem Monatsgehalt von 2.700 Euro, der monatlich 200 Euro in die Betriebsrente einzahlt, rund 20 Euro monatlich weniger für die Kranken- und Pflegeversicherung. Man spart also mit staatlicher Förderung für das Alter an und legt dabei mehr auf die Seite, als beim Nettoeinkommen fehlt. Zudem kann der Arbeitgeber den geleisteten Betrag bezuschussen. Je nach Höhe dieser Leistung wird das Geschäft für den Arbeitnehmer zunehmend attraktiv. Die Abwicklung selbst läuft ganz unbürokratisch ab. Auch bei der Steuererklärung müssen diese Extraausgaben nicht gesondert angeführt werden. Das umgewandelte Gehalt, das direkt vom Lohn abgeht, wird in der Jahresabrechnung der Lohnsteuer automatisch berücksichtigt.

Nachteile

Die geringeren Sozialabgaben und Steuervorteile lassen die Gehaltsumwandlung auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen. Allerdings gibt es auch einen Nachteil, den viele Beschäftigte nicht bedenken. Durch das verringerte Bruttoeinkommen zahlen sie in die gesetzliche Rentenversicherung auch niedrigere Beiträge ein. Somit verringert sich auf lange Sicht auch der gesetzliche Rentenanspruch. Diese geringeren Einzahlungen in die Rentenkasse könnten sich laut Finanzexperten zudem auf alle Rentner negativ auswirken. Steigt die Zahl der Menschen mit betrieblicher Altersvorsorge, so wie von der Regierung geplant, wird es insgesamt weniger Geld im Rententopf geben. Das kann etwa bedeuten, dass die Rente nicht mehr an die Lohnentwicklung angeglichen wird, weil einfach nicht mehr ausreichend Geld dafür vorhanden ist. Ein weiterer Nachteil birgt die Abgabenlast, die erst mit Zuteilung der Rente schlagend wird: Für die spätere Betriebsrente fallen relativ hohe Abgaben für die gesetzliche Krankenversicherung und für die Pflegeversicherung an. Da betriebliche Rente und gesetzliche Rente addiert werden, kann so die gesetzliche Rentenzahlung geringer ausfallen als ohne die Entgeltumwandlung. Bei mageren Zinserträgen und ohne Arbeitgeberzuschuss, warnen Konsumentenschützer, müsste man über hundert Jahre alt werden, um tatsächlich voll in den Genuss der eingezahlten Beträge zu kommen.

Für wen ist sie sinnvoll / lohnt sie sich?

Betriebsrenten sind daher nicht automatisch für jedermann ein sinnvolles Instrument. Wirtschaftlich gesehen profitieren davon neben privat Krankenversicherten vor allem Gutverdiener. Wer gut verdient, kann auch im Alter mit über der Beitragsbemessungsgrenze liegenden Einkünften rechnen und muss daher auf alle darüberliegenden Beträge keine Sozialabgaben entrichten. Wer nicht in diese Gruppe fällt, profitiert von der Gehaltsumwandlung nur dann wirklich, wenn der Arbeitgeber pro Monat mindestens 20 Prozent dazugibt. Andernfalls ist das Ganze für den Arbeitnehmer eher ein Minusgeschäft. Zudem sind die Prognosen nicht leicht: Wie die Gesamtverzinsung schlussendlich aussieht, hängt wie bei privaten Altersvorsorgepaketen von der wirtschaftlichen Entwicklung sowie von der Qualität und Finanzstärke des jeweiligen Anbieters ab.

Möglichkeiten der Anlage / Umwandlung

Pensionskasse

Träger der Umwandlung können auf die betriebliche Altersvorsorge spezialisierte Lebensversicherungsgesellschaften sein. Diese Unterstützungskasse leistet dann im Alter die Rentenzahlung.

Pensionsfond

Großunternehmen gründen häufig firmeneigene Pensionsfonds. Anders als ihre restlichen Einrichtungen können diese Gesellschaften ihr Vermögen auch in größeren Teilen in Aktien anlegen.

Direktversicherung

Schließt der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter direkt bei einer Lebensversicherung eine Police ab, spricht man von einer Direktversicherung. Die Lebensversicherungsgesellschaft leistet dann im Alter die Rentenzahlung.

Staatliche Förderung

Die staatliche Förderung der Entgeltumwandlung erfolgt über eine Reduzierung der Steuer sowie der Sozialabgaben während der Einzahlungsphase im Erwerbsleben. Allerdings holt sich der Staat diese Förderung später teilweise wieder zurück. Ist man erst in Rente, muss die Betriebsrente voll versteuert werden. Ein kleiner Vorteil verbleibt jedoch, da der persönliche Steuersatz bei Rentnern meist geringer ist als im Erwerbsleben. Der Anspruch auf die steuerfreie Gehaltsumwandlung wurde von vier auf acht Prozent erhöht. Damit liegt die Beitragsbemessungsgrenze 2018 bei 6.500 Euro. Die Entgeltumwandlung ist in der Sozialversicherung bis höchstens vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (260 Euro) steuerfrei. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz von 2017 verpflichtet die Arbeitgeber, die Ersparnisse bei den Sozialversicherungsbeiträgen in einer Höhe von 15 Prozent in die Mitarbeiter-Betriebsrenten einfließen zu lassen. Das bringt dem Arbeitgeber im Endeffekt immer noch einen Liquiditätsvorteil im Vergleich zur Auszahlung des Lohns ohne Entgeltumwandlung. Diese verpflichtende Beteiligung gilt für alle neuen Betriebsrenten ab dem Jahr 2019 und für bestehende Altverträge ab 2022.

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