Umschuldung

Alles zur Umschuldung von Darlehen

Eine Umschuldung wird mit dem Ziel durchgeführt, die laufenden Zinsbelastungen zu verringern, oder ein Darlehen schneller abzuzahlen. Dies kann geschehen, indem ein bestehender Kreditvertrag vorzeitig aufgelöst wird, und stattdessen ein neuer Kredit zu günstigeren Konditionen abgeschlossen wird. Bei einer Umschuldung können auch mehrere laufende Kreditverträge zu einem einzigen Vertrag zusammengefasst werden.

Wie funktioniert eine Kreditumschuldung?

Wie eine Umschuldung genau funktioniert, hängt von der Art der Kreditverpflichtung ab. Wir erläutern den Ablauf anhand der folgenden Kreditarten.

  • Dispokredit: – die Umschuldung eines Dispokredites gestaltet sich von der Vorgehensweise recht einfach. Hierfür schliesst der Kreditnehmer einen günstigen Kleinkredit ab. Mit den nun verfügbaren Mitteln kann der Dispo schnell und unkompliziert zurückgezahlt werden. Es ist keine Vertragskündigung notwendig. Es fallen auch keine Kosten an.
  • Raten- / Kleinkredit – die Umschuldung wird über den Neuabschluss ausgelöst. Liegt die Zusage für den neuen Ratenkredit vor, kann der Altvertrag gekündigt werden. Bei Ratenkrediten sind Kündigungsfristen zu beachten. Für eine komplette Ablösung des Altvertrags fallen meist keine Kosten an. Bei einer Teilablösung berechnen Banken jedoch oftmals Gebühren.
  • Baufinanzierung: – bei der Umschuldung eines Baudarlehens werden 3 Varianten unterschieden – der Neukreditaufnahme nach Ablauf einer Zinsbindungsfrist, der Ablösung während der laufenden Zinsbindungsfrist sowie der Kreditaufnahme über ein Forward-Darlehen. Bei beiden letztgenannten Umschuldungsvarianten sind Kündigungsfristen der Altdarlehen zu beachten. Bei einer Kreditablösung während der Zinsbindungsfrist berechnen Banken eine Zinsausfallentschädigung.

Vorteile einer Umschuldung

Für eine Umfinanzierung gibt es viele gute Gründe. Wir erläutern die wichtigsten Vorteile.

  • Geringere Zinskosten – das Folgedarlehen hat i.d. Regel einen günstigeren Zinssatz als das Altdarlehen. Die Zinskosten verringern sich
  • Laufzeitverkürzung – aufgrund des günstigeren Zinssatzes hat der Kreditnehmer mehr finanziellen Spielraum. So kann möglicherweise die Tilgungsleistung erhöht werden, wodurch sich die Restlaufzeit verkürzt.
  • Erhöhung der Bonität – werden mehrere Darlehen zu einem einzigen Neuvertrag zusammengelegt, erhöht sich die Bonität des Kreditnehmers meist.

Wann ist eine Umschuldung sinnvoll?

Eine Umschuldung ist immer dann sinnvoll, wenn die aktuellen Marktzinsen (Kreditzinsen für Neuabschlüsse) deutlich niedriger sind als die des eigenen Kreditvertrags. Dies ist häufig dann der Fall, wenn zum Zeitpunkt des Kreditabschlusses das Marktzinsniveau deutlich höher war, und inzwischen gesunken ist. Hierzu ein Beispiel: Herr M. schließt im Jahr 2010 einen Ratenkredit über 12.000€ zu einem eff. Jahreszins von 7,8% ab. Inzwischen könnte er das gleiche Darlehen für 4,5% erhalten. Er würde somit 3,3% weniger Zinsen für seinen Ratenkredit zahlen. Ausgedrückt in Zahlen bedeutet dies: (vereinfacht, Tilgung nicht eingerechnet)

Umschuldung Rechenbeispiel – Ratenkredit 12000€
Zinsbelastung Vorher Nachher Differenz
Belastung Zinsen in % 7,8% 4,5% 3,3%
Jährl. Belastung Zinsen in € 936,00 540,00 396,00
Monatl. Belastung Zinsen in € 78,00 45,00 33,00

Umschuldungen lohnen sich insbesondere bei Dispokrediten mit hohen Salden, da hier meist eine deutliche Verringerung der Zinsbelastung erreicht werden kann.

Worauf sollten Kreditnehmer bei einer Umschuldung achten?

  • Höhe der Zinsen – vergleichen Sie die Zinsen des Neuvertrags mit den Zinsen Ihres bestehenden Kreditvertrages. Ergibt sich ein deutlicher Unterschied, lohnt sich eine Umschuldung.
  • Rate und Laufzeit – bei einer Umfinanzierung hat der Kreditnehmer die Möglichkeit die Höhe der monatlichen Raten neu zu bestimmen. Die monatlichen Zahlungen sollte nur so hoch sein, dass ein Puffer für unvorhergesehene Ausgaben verbleibt. Gleichzeitig sollte die Rate nicht zu niedrig gewählt werden, da sich hierdurch die Laufzeit unnötig verlängert.
  • Anbieter vergleichen – vergleichen Sie vor der Wahl Ihres Neuvertrags die Zinsen mehrerer Anbieter (z.B. über unseren Ratenkredit-Vergleich). Oft ergibt sich durch die Auswahl des günstigsten Anbieters zusätzliches Einsparpotential.
  • Kosten und Gebühren – nicht immer ist die Ablösung des Altdarlehens kostenlos. Insbesondere bei Umfinanzierungen von Baudarlehen bei noch laufender Zinsbindungsfrist verlangen Banken eine so genannte Vorfälligkeitsentschädigung.
  • Persönliche Kreditwürdigkeit – wichtig ist, dass im Moment der Kreditablösung die persönliche Kreditwürdigkeit ausreicht. Von der persönlichen Bonität hängt letztlich auch die Vergabe der Konditionen ab. Die meisten Darlehenskonditionen richten sich heutzutage nach der Bonität des Kreditnehmers. Häufig kann durch Hinzunahme eines weiteren Darlehensnehmers (z.B. Ehepartner, Lebensgefährte) die persönliche Kreditwürdigkeit und damit die Konditionen verbessert werden.
  • Sicherheiten – bei Dispo- und Ratenkrediten spielen zusätzliche Sicherheiten eher keine Rolle. Anders bei Baufinanzierungen: wird hier der Wechsel zu einer anderen Bank angestrebt, müssen zusätzliche Kosten für eine Übertragung der Grundpfandrechte berücksichtigt werden.

Was ist die Vorfälligkeitsentschädigung und wie wird sie berechnet?

Die Vorfälligkeitsentschädigung ist ein Entgelt (eine Entschädigung), welches Banken bei einer vorzeitigen Rückzahlung von Darlehen innerhalb der Zinsbindungsfrist verlangen. Werden Darlehen innerhalb der Zinsbindungsfrist abgelöst, erleidet die Bank einen Zinsverlust. Die VFE kommt meist bei Baufinanzierungen zum Einsatz, da hier mehrjährige Zinsbindungen üblich sind. Die Höhe des Zinsschadens errechnet sich aus der Differenz zwischen der ursprünglich eingeplanten Zinseinnahmen bei Fortführung und dem Zinsgewinn bei einer Anlage der freiwerdenden Summe in ein anderes Darlehen oder alternativ in festverzinslichen Wertpapieren.

Berechnung der Ausfallentschädigung
  • Ursprünglich eingeplante Zinseinnahmen
  • – Alternative Verwendung des Geldes (z.B. anderes Darlehen oder alternativ Anlage in festverzinsliche Wertpapiere)
  • = Differenz / entstandener Zinsschaden

Wann und wie lassen sich Kreditverträge kündigen?

Kündigung Ratenkreditvertrag

Bei Ratenkrediten richten sich die Kündigungsmodalitäten nach dem Abschlussdatum des Kreditvertrags.

  • Kreditaufnahme vor dem 11.06.2010 – der Kreditvertrag kann frühestens 6 Monate nach Laufzeitbeginn mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten gekündigt werden. Eine vollständige Rückzahlung ist somit frühestens nach 9 Monaten möglich.
  • Kreditaufnahme nach dem 11.06.2010 – der Kreditvertrag kann unter Einhaltung einer einmonatigen Kündigungsfrist gekündigt werden. Die Bank darf hier eine Vorfälligkeitsentschädigung von bis zu 1% des noch ausstehenden Kreditbetrags verlangen.
Kündigung Baudarlehen

Bei Baufinanzierungen sichten sich die Bestimmungen danach, ob der Kredit mit variablem oder festem Zinssatz (Zinsbindung) abgeschlossen wurde.

  • Finanzierung ohne Zinsbindung – der Darlehensnehmer kann einen Kredit mit variablem Zins jederzeit unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von drei Monaten kündigen.
  • Finanzierung mit Zinsbindung – eine Kündigung ist (gebührenfrei) immer erst zum Ende der Zinsbindungsfrist möglich. Jedoch kann der Kreditnehmer nach Ablauf von 10 Jahren den Kreditvertrag jederzeit ohne Berechnung einer Vorfälligkeitsentschädigung mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten kündigen.

Was ist ein Forward-Darlehen?

Bei einem Forward-Darlehen handelt es sich um ein Annuitätendarlehen, welches erst nach einer bestimmten Zeitspanne nach Vertragsschluss ausgezahlt wird. Forwardkredite werden meist im Rahmen einer Baufinanzierung abgeschlossen, wenn die Zinsbindung des Altdarlehens noch läuft, und der Darlehensnehmer noch nicht kündigen kann. Der Kreditnehmer kann sich somit bereits heute einen festen Zinssatz für die Zukunft sichern. Steigt der Marktzinssatz bis zum Ende der Zinsbindung an, profitiert der Kreditnehmer. Fällt das Zinsniveau in der Zwischenzeit hingegen, zahlt der Kunde höhere Zinsen als bei einem normalen Kreditabschluss.

Quellen und weiterführende Links zum Thema
  • dejure.org „Ordentliches Kündigungsrecht des Darlehensnehmers“
  • welt.de „Darlehen gebührenfrei kündigen und umschulden“

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