Wann ist ein Bausparvertrag sinnvoll, und wann lohnt er sich nicht?

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Alle Fakten zum Baukindergeld auf einen BlickBausparen: war das nicht die Sache, bei der man ein paar Jahre Kapital anspart, und danach ein zinsgünstiges Darlehen für sein Eigenheim erhält? Richtig, doch aufgrund der allgemeinen Niedrigzinsen sind normale Immobilienkredite heutzutage oft günstiger. Warum also noch einen Bausparvertrag abschließen? Wir erläutern, für wen das monatliche Ansparen bei Schwäbisch Hall & Co nach wie vor sinnvoll ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 1. Ein Bausparvertrag lohnt sich dann, wenn Sie erst in ein paar Jahren bauen möchten, oder Geld für eine Renovierung ansparen.
  • 2. Familien mit Kindern können im Zusammenhang mit Bausparen hohe staatliche Förderungen nutzen.
  • 3. Diese Art der Baufinanzierung ist weniger sinnvoll, wenn Sie kurzfristig einen Neubau oder Kauf planen, und keinen Anspruch auf eine staatliche Förderung haben.

Wann lohnt sich ein Bausparvertrag?

Sind die Pläne vom Eigenheim eher in die Zukunft gerichtet, und gibt es dazu noch eine staatliche Finanzspritze, ist ein Bausparvertrag nach wie vor sinnvoll. In den folgenden Situationen lohnt sich die Sache bestimmt:

1. Bausparen als Absicherung gegen steigende Zinsen

Die Zinsen werden steigen: Die Frage ist nicht ob, sondern wann. EZB-Chef Draghi kündigt eine mögliche Zinserhöhung für Sommer 2019 an. Wer also erst in ein paar Jahren bauen möchte, wird seinen Baukredit garantiert nicht mehr für 2 Prozent bekommen. Mit einem Bausparvertrag lassen sich die Zinsen von heute für das Bauvorhaben von morgen sichern. Es gilt der Zinssatz im Moment des Vertragsabschlusses. Dieser ändert sich auch nicht, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt.

2. Bausparen als Rücklage für Modernisierungen

Als Finanzierungsrücklage für Modernisierungen ist Bausparen durchaus attraktiv, denn Banken bieten hierfür meist keine günstigen Kredite an. Die Bank vergibt diese auf Basis der Zinssätze von Verbraucherdarlehen. Ist die Bonität des Antragstellers nur mittelmäßig, kostet der Kredit schnell mal eben 5 Prozent pro Jahr. Bei einem Bauspardarlehen spielen sowohl die Bonität als auch die Höhe der Kreditsumme keine Rolle. Wer sich z.B. heute einen Zinssatz von 1,5 Prozent sichert, bekommt diesen garantiert zum vereinbarten Zeitpunkt. Das Stichwort lautet: heute schon ansparen für die Renovierung von morgen.

3. Als riestergeförderten Sparvertrag für Familien mit Kindern

Der Staat fördert Bausparen unter anderem im Rahmen der Riester-Rente. Die Kombination lohnt sich insbesondere für Familien mit mehreren Kindern. Sparer erhalten pro Jahr eine Zulage von bis zu 175 Euro auf Ihren Riester-Bausparvertrag. Zudem gibt es eine lukrative Kinder-Zulage in Höhe von 185 Euro pro Jahr für jedes, Kind das vor 2008 geboren wurde. Für Geburten danach gibt es sogar 300 Euro.

4. Bei Vermögenswirksamen Leistungen zahlt der Arbeitgeber ein.

Lohnenswert kann Bausparen auch in der Variante eines arbeitsgeberfinanzierten Sparplans sein. Die Rede ist von Vermögenswirksamen Leistungen. Ob und wie viel VWL ein Arbeitnehmer erhält, hängt davon ab, was im Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag steht. Die monatlichen Zahlungen vom Chef können mehrere Hundert Euro pro Jahr ausmachen. Die staatliche Förderung wird in Form der „Arbeitnehmersparzulage“ sowie der „Wohnungsbauprämie“ gewährt. Als Bausparer kann man so bis zu 170 Euro pro Jahr vom Staat geschenkt bekommen. Voraussetzung hierfür ist, man überschreitet bestimmte Einkommensgrenzen nicht. Ausführliche Infos zum Thema finden Sie unter Vermögenswirksame Leistungen im Vergleich.

5. Bausparen mit Bonus für junge Leute

Junge Sparer können von einem weiteren Vorteil profitieren. Bausparkassen bieten dieser Zielgruppe oft einen besonderen Bonus. Das kann z.B. eine einmalige Prämie oder auch ein höherer Sparzins sein. I.d. Regel steht die Lebensplanung bei Auszubilden und Berufseinsteigern noch nicht fest. Der Vertragsinhaber kann nach der Ansparphase entscheiden, ob entweder das Darlehen in Anspruch genommen oder das Guthaben ausgezahlt wird. Bei Summen unter 30.000 Euro sind Sparer nicht an wohnwirtschaftliche Zwecke gebunden. Sowohl die Ansparsumme als auch das Darlehen kann ganz nach Belieben verwendet werden – etwa für ein Auto, einen Umzug oder eine Reise.

Weitere Vorteile

  • 1. Die Sparraten können als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend gemacht werden.
  • 2. Bausparer können unbegrenzt und ohne gesonderte Absprache mit der Bausparkasse sondertilgen.
  • 3. Die angesparte Summe lässt sich als Eigenkapital für eine Gesamtfinanzierung nutzen.

Wann ist ein Bausparvertrag nicht sinnvoll?

Schnellentschlossene Bauherren ohne Chance auf staatliche Förderungen sind mit einem normalen Hypothekendarlehen aktuell besser bedient. Dazu im Einzelnen:

Die Darlehenszinsen sind vergleichsweise unattraktiv

1. Bausparkassen locken derzeit nicht mit Zinsen, die unterhalb denen der Immobilienkredite von Banken liegen. Wer sofort bauen möchte, fährt daher mit einem normalen Bankkredit eventuell besser. Vorausgesetzt die Zinsbindung ist entsprechend lang, die Bank bewertet die Bonität des Antragstellers positiv, und der Bauherr kann genug Eigenkapital sowie Sicherheiten vorweisen. Vollfinanzierungen in Verbindung mit einer durchschnittlichen Bonität können allerdings auch hier recht teuer werden.

2. Wenn Sie sofort bauen möchten

Die Ansparphase bei einem Bausparvertrag ist lang. Erst ab dem Zeitpunkt der Zuteilung kann man sich das Guthaben ausbezahlen lassen und / oder den Rest der Bausparsumme als Darlehen nutzen.

3. Wenn Sie keinerlei staatliche Förderung erhalten

Der Staat möchte insbesondere Personen und Familien mit geringem Einkommen den Weg zum Eigenheim mit Hilfe diverser Förderungen erleichtern. Gutverdiener erhalten die staatlichen Zuschüsse i.d. Regel nicht. Das gilt auch für die Zulagen im Zusammenhang mit Bausparen.

4. Als Geldanlage

Die vergleichsweise hohen Zinsen auf „liegendes“ Bauspargeld sind längst Geschichte. Bei Neuabschlüssen gibt es für Sparguthaben derzeit nicht viel mehr als 1 Prozent. Das erhält man meist auch bei Anlagen in Festgeld oder Tagesgeld.

Exkurs: Wie funktioniert Bausparen?

Ziel des Bausparens ist der Aufbau von Eigenkapital für den späteren Immobilienerwerb oder andere Wohnzwecke. Dies erfolgt in regelmäßigen Sparraten meist über die Dauer von sechs Jahren. Die Sparzinsen sind niedrig, allerdings erhält der Bausparer im Gegenzug einen Anspruch auf ein günstiges Darlehen, das er für einen Bau, Kauf oder eine Modernisierung nutzen kann. Das Besondere am Bausparen: Der Zinssatz für das künftige Darlehen wird bei Abschluss des Bausparvertrags festgelegt. Je nach Entwicklung am Kapitalmarkt wird dieser Zinssatz unter oder über jenem liegen, den die Banken für eine normale Baufinanzierung verlangen.

Ansparphase, Zuteilung und Darlehensphase

Im Grunde handelt es sich beim Bausparvertrag um eine Kombination aus zwei unterschiedlichen Verträgen. Zum einen geht es um einen Sparplan, um 30 bis 50 Prozent der späteren Kreditsumme als Eigenmittel anzusparen. Ist diese Ansparphase beendet, ist der Vertrag zuteilungsreif. Das bedeutet, dass Sie unter mehreren Möglichkeiten wählen können:

  • 1. zwischen der Auszahlung des Sparguthabens
  • 2. dem „Liegenlassen“ mit Weiterverzinsung des Guthabens
  • 3. sowie der Inanspruchnahme des Darlehens.

Wer weiter ansparen möchte, kann sich das Guthaben und sein Darlehen auch zu einem späteren Zeitpunkt seiner Wahl ausbezahlen lassen.

Fazit

Ein Bausparvertrag lohnt sich vorzugsweise dann, wenn der Zeitpunkt für das Bauvorhaben ein paar Jahre in der Zukunft liegt, und man staatliche Förderungen nutzen kann. Je mehr dieser Pluspunkte man letztlich für sich nutzen kann, desto sinnvoller wird Bausparen als Teil einer zukünftigen Immobilienfinanzierung. Die Entscheidung hängt von der individuellen Situation ab.

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